Wir wurden bei unserer Kreuz-Aktion mehrfach angegriffen

…und dies gleich zweimal an einem Tag, was uns seit Bestehen unserer Aktionsform (seit ca. sieben Jahren) noch nie in solch einer aggressiven Form passiert ist. Zum Glück wurde niemand ernsthaft verletzt bzw. sind hauptsächlich nur emotionale und materielle Schäden entstanden.

Bei unserer gestrigen Kreuz-Aktion (am Freitag, dem 11. Juni 2021) in der Nähe des Bahnhofes Warschauer Straße, in Richtung Revalerstraße, wurden wir zuerst von einem schwer psychisch traumatisierten und alkoholisierten jungen Mann attackiert, der unsere Aktionsmittel als Fussbank nutzen wollte, wodurch sie hätten beschädigt werden können. Nachdem wir uns dies erst höflichst verbeten hatten und er sich die Materiellen aber sogar erneut für seinen Fussausruhebedarf ergreifen wollte, versuchten wir ihm etwas energischer klar zu machen, das wir das in dieser uns schädigender Form nicht möchten.

Mit dem Hinweis, dass er gerade aus einer geschlossenen Anstalt komme und sein Leben beenden möchte, was er noch dazu auch uns wärmstens empfahl, griff er darauf hin nach dem Unterschriften-Sammel-Werbeschild der Aktions-Anmelderin und versuchte es ihr vom Hals zu reißen. Außerdem klammerte er sich noch dazu an eine über die Schultern hängenden Umhängetasche fest. Da die Aktions-Anmelderin aber im Gegensatz zu dem jungen Mann geistig anwesend war, wurde er durch das zurückziehen ihrer Tasche von der kleinen Bank auf der er saß gezogen, worauf hin er diese Bank mit einer unbändigen Wut ergriff und uns diese, hoch über seinen Kopf erhoben, auf uns schleudern wollte.

Ein etwas stämmig gebauter Passant, der ganz zufällig neben uns stand, reagierte daraufhin total geistesgegenwärtig und rang den wütenden jungen Mann sofort mit ein paar Handgriffen zu Boden und fixierte ihn dort so, so dass er nun nicht nur seine Beine, sondern seinen gesamten Körper in horizontaler Erdlage ausruhen konnte, bis die Polizei eintraf und die Weiterfixierung übernahm. Alle Versuche, ihn zu beruhigen, brachten nix bzw. machten ihn nur noch wütender.

Ca. zwei Stunden später, nachdem sich inzwischen alle beruhigt hatten und das kleine Großaufgebot der Polizei inklusive Krankenwagen auch wieder von dannen geschlichen war, sprach uns ein nüchterner junger Mann auf unsere weißen Aktions-Kreuze an und fing auch sogleich an, immer wütender werdend seinen Hass auf das Christentum bei uns abzuladen. Alle Versuche ihm zu erklären, dass wir prinzipiell auf seiner Seite stehen, was den im Namen des Christentums angerichteten weltlichen Schaden angeht und dass unsere Aktions-Kreuze aber als Symbol für den Tod (völlig unabhängig von jeglicher Religion) stehen, fruchteten nicht, da der Mann überhaupt nicht zuhörte. Im Gegenteil. Er beglückte uns abwechselnd und immer aufbrausender mit Literaturhinweisen und Beleidigungen (wir wären z.B feige Christenschweine usw.).

Nachdem er sich selbst total in Wut und Rage geredet hatte und aber langsam sein gesamtes argumentatives Pulver verschossen hatte, schickte er sich an weiter zu ziehen. In dem Moment störten ihn aber die Aktions-Kreuze so sehr, so dass er im Weggehen mit seinen Füßen gegen jedes Kreuz trat, welches ihm begegnete, so dass diese laut zersplatternd durch die Gegend flogen. Außerdem stieß er unser großes Flyer-Kreuz mit solch brutaler Kraft um, so dass es in mehrere Teile zerbrach, inklusive der sehr teuren Plexiglashalterungen für unsere Aktions-Flyer in acht verschiedenen Sprachen. 😦 😦 😦

Bei dem Versuch, den jungen Mann zu stoppen, wurde er dann auch gegen uns richtig handgreiflich und brutal, so dass er u.a. einen weiteren Kreuz-Aktionär mit grober Gewalt zu Boden stieß. Er versuchte dabei, das Handy in seine Gewalt zu bringen, mit dem wir natürlich versuchten (auch mit ihm drauf) beweissichernde Fotos zu machen. Zum Glück gelang ihm dies aber nicht.

Auch diesen Vorfall bekamen mehrere zufällig anwesende Passanten mit, die den wutentbrannt hasserfüllten Mann auf seinem weiteren Weg ganz genial und völlig gewaltlos in ein Gespräch* verwickelten und ihn so unbemerkt umringend beschäftigten. Die inzwischen schon wieder herbeigerufene Polizei (Wir sind ja für Vollbeschäftigung – zumindest die der Anderen), konnte sich somit ganz langsam beeilen, um den extremistischen Anti-Christen als Rechnungsempfänger für den entstandenen Schaden auszuloben.

*) Das Gespräch bestand im Wesentlichen darin, dass der Mann monologisch und ohne auf irgendwas von außen Gesagtes einzugehen nun auch weitere Menschen agitieren wollte, die er aber ebenfalls als Christenschweine beschimpfte, bzw. sie davon zu überzeugen versuchte, dass „provozierende Christen wie wir es einfach nicht lassen könnten, unsere „Folterinstrumente“ (damit meinte er die weißen Opferkreuze) zur Schau zu stellen“. Fragen, ob er auch auf Friedhöfen randalieren ginge, ignorierte er jedoch. Ihm war auch klar, dass die Polizei unterwegs war, er hatte jetzt, von seinem Feldzug total überzeugt, auch keine weiteren Ambitionen wegzulaufen. Das einseitige „Diskutieren“ (sprich monologisch seine Projektionsfilme wettern) war ihm offenbar wichtiger. Immer wieder tauchte in den Ausführungen des Mannes auch auf, dass sein Heimatland die DDR durch die Kirchen zerstört worden wäre und womöglich liegt darin eine große Ursache für seinen großen Frust.

Leider wird die Schadensregulierung (für sieben Aktions-Kreuze und das Flyer-Kreuz inkl. der Flyer-Halterungen) natürlich etwas dauern oder wir bleiben sogar völlig auf den entstandenen Kosten sitzen. Das ABSOLUT SCHLIMME dabei ist aber, dass wir für Juli 2021 eine Strafanzeige gegen eine staatliche Organisation stellen werden und im Rahmen einer entsprechenden Öffentlichkeitskampagne mehrere große Kreuz-Aktionen planen, bei der wir die MAXIMAL mögliche Anzahl von Aktions-Kreuzen dringend benötigen. Die Beschädigung unserer Kreuz-Aktions-Materialien kommt somit zu einem denkbar ungünstigen Zeitpunkt, so dass wir hiermit öffentlich um Unterstützung bitten möchten. Wir benötigen dringend…

  • Etwas Barvermögen zum Materialeinkauf (bis hoffentlich der Schaden finanziell reguliert ist).
  • Handwerkliche Unterstützung und Örtlichkeiten zur Reparatur und dem Neubau von Aktions-Kreuzen sowie dem Flyer-Kreuz.
  • Ausdrucken, Laminieren und Befestigen der Opfertexte auf den Aktions-Kreuzen und anfertigen eines neuen Unterschriften-Sammel-Werbeschildes.
  • Und wenn wir dann doch bei unserer eigenen Vollbeschäftigung sind, müssten auch noch die Transportkisten repariert, unsere Einkommenstafel erneuert und die A3-Aussage-Schilder der An-Klagemauer überarbeitet werden. 😉

Nachbemerkung der Aktionsanmelderin FriGGa Wendt:

Der erste Mann tat mir die ganze Zeit über leid und als der Rettungswagen gerufen wurde, um ihn wieder in die Psychiatrie zu bringen, aus der er nach eigenen Aussagen wohl erst vor kurzem entlassen worden war, war für mich gruselig, denn wer weiß, welchen Anteil an der Gewaltbereitschaft der vorherige Aufenthalt in so einer Einrichtung hat – dass er nicht mehr zu haben schien als seine unbändige Wut auf das Leben und andere Menschen? Dass die Mainstream-Psychologie für viele Menschen keine Hilfe ist, wissen wir aus eigener Erfahrung, weswegen wir auch unbedingt unsere Initiative „Weltrettung durch Therapie“ (als Aufklärungs- und Bewusstmachungskampagne mit Hinweise auf alternative Therapiemöglichkeiten) weiter voranbringen möchten.

Dass Passanten ohne zu zögern Zivilcourage zeigten, gibt aber auch Hoffnung. Zudem bekamen wir an dem selben Aktionstag wie üblich auch viel Zuspruch. Unter anderem kam zwischenzeitlich ein weiteren Mann vorbei, der aufgrund verweigerter Menschenrechte in prekärster Situation lebt mit dem Todeswunsch als ständigem Begleiter. Nur, dass jener Mann konstruktiver mit seinem nachvollziehbaren Lebensfrust umging und nicht jeden Daherkommenden seinerseits zur Feindesprojektionsfläche machte.

An den zweiten randalierenden Mann habe ich folgende Fragen für einen Moment, in welchem das Nachdenken wieder möglich ist:

  • Wäre es für Sie eigentlich mehr oder weniger „provozierend“ herübergekommen, wenn wir Ihnen „die anderen Wangen“ (oder unsere weiteren Aktionsmaterialien) hingehalten hätten?
  • Welches leicht auf den ersten Blick international erkennbar Symbol verwenden Sie für „den Tod“?
  • Stellen Sie sich mal eine Gedenkveranstaltung für die Opfer von kirchlicher oder klerikaler Gewalt vor, z.B. für Menschen, die in Kreuzzügen, Missionsvorhaben, klösterlicher Umerziehung (inkl. körperlichen bzw. sexuellen Missbrauch etc.) zu Tode gekommen sind. Stellen Sie sich ferner vor, die Initiatoren würden Todes- oder GrabKREUZE aufstellen. Würden sie diese Kreuze (die wie gesagt anderes als unsere Hartz IV Geschichten thematisieren) ebenfalls tätlich angreifen?
  • Empfinden Sie persönlich den Einsatz von Gewalt für richtig? Wenn ja: nur gegen gleichdenkende oder nur gegen andersdenkende oder spielt das gar keine Rolle?
  • Macht man sich dabei nicht denen gemein, die man selber bekämpfen möchte?
  • Meinen Sie, dass durch Ihre Attacke jetzt das von Ihnen verhasste Christentum geschwächt wäre?
  • Ist durch die Zerstörung von Gedenkobjekten für Menschen, die durch unser Sozialsystem rutschen oder aktiv dadurch in den Tod getrieben wurden, irgendeinem Opfer klerikaler Gewalt geholfen?
  • Ginge es Ihnen mit einem (fast kirchenhaft dogmatischen) Dekret besser, dass das Kreuzsymbol (ggf. auch für Straßenkreuzungen) verbietet?
  • Darf z.B. der Film von Monty Python: „Das Leben des Brian“ Ihrer Meinung nach noch gezeigt werden? Oder würden Sie den, wie schon seinerzeit radikale Christen, grundsätzlich verbieten wollen?

Anmerkung des ebenfalls sein Kreuz tragenden Mitstreiters Michael Fielsch:

Auf Basis unzähliger Gespräche und Diskussionen, nicht nur bei unseren inzwischen weit über 300 Kreuz- und vielen anderen Aktionen bzw. Aktivitäten, sowie dem Beobachten sehr vieler Menschen in allen sozialen Bereichen, sowie auf allen gesellschaftlichen Ebenen, ist uns bewusst geworden, dass ALLE Menschen mehr oder weniger stark psychisch beeinträchtigt sind. Wir führen den Ursprung auf eine „Gesellschaftliche Entwicklungstraumatisierung“ zurück, von der wir alle ab unserer Zeugung bzw. unserer Geburt mehr oder weniger stark betroffen sind und die uns noch dazu ein Leben lang verfolgt. Wir werden allesamt in unterschiedlichen Ausprägungen ab unserer Geburt nicht als frei agierendes Individuum gewürdigt und bedingungslos gefördert und unterstützt, sondern sofort im Sinne des bestehenden Gesellschaftssystems erzogen und konditioniert. Uns wird auf allen Ebenen unmissverständlich klar gemacht, dass wir nur wertvoll sind, wenn wir im Sinne des bestehenden Gesellschaftssystems „funktionieren“, was uns ein Leben lang seelisch immens verletzt und traumatisiert. Außerdem schaukeln sich die seelischen Verletzungen und Traumatisierungen von Generationen zu Generationen immer weiter hoch, bis es zu viele verletze und traumatisierte Seelen gibt, die voller Hass und Rachegelüsten innerlich verrohen. Für diese verrohten Seelen wird Gewalt dann doch zu einer (natürlich falschen) Lösung. (Ältere in der DDR aufgewachsene Mitmenschen erleben diese systemische Erziehung und Konditionierung übrigens noch dazu in zwei völlig unterschiedliche Richtungen, was die Seele noch schwerer belastet, auch weil keine Aufarbeitung, Aufklärung und Bewusstmachung praktiziert wird.)

Auf Grund dieser Erkenntnisse und Tatsachen bereiten wir gerade das therapeutische Mitmach-Projekt „Die Gesellschaftliche Entwicklungstraumatisierung“ unter der internetten Adresse „Die.gesellschaftliche-Entwicklungstraumatisierung.de“ vor, wobei erste Inhalte nach und nach von uns eingefügt werden.

Eine Antwort zu “Wir wurden bei unserer Kreuz-Aktion mehrfach angegriffen

  1. Ich denke, der zweite Aggressor würde mit einem Totenkopf als Symbol für den Tod deutlich besser klar kommen. Es sollen schon mal im Irak oder in Afghanistan Rote-Kreuz-Fahrzeuge militärisch angegriffen worden sein – wegen dem Kreuz !

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