Weiterführende Informationen zum Interview in der Zeitung „Junge Welt“

Im Rahmen des mit uns geführten Interviews von Seiten der Zeitung „Junge Welt“ – welches voraussichtlich Anfang Februar 2023 in der Wochenendbeilage „Faulheit und Arbeit“ erscheinen soll – wurde uns eine weitere Frage gestellt, deren Antwort uns ebenfalls sehr wichtig ist. Leider hatte diese Frage und unsere Antwort darauf aber aus drucktechnischen Gründen keinen Platz mehr gefunden, weswegen wir sie auf dieser Seite veröffentlichen…

Warum wird‭ ‬Ihrer Meinung nach an dem Sanktionsregime festgehalten‭?

Wenn man diese Frage beantworten möchte,‭ ‬sollte man u.a.‭ ‬die Ätiologie,‭ ‬die Lehre von den Ursachen,‭ ‬bemühen,‭ ‬die für uns die erwachsenen Version der kindlichen Frage nach dem‭ „‬Warum‭?“ ‬ist.‭

‬Aus unserer Sicht sind alle Menschen in unserer Gesellschaft von einer‭ „‬gesellschaftlichen Entwicklungstraumatisierung‭“ ‬betroffen,‭ ‬weil wir nach unserer Geburt nicht bedingungslos für unsere pure Existenz geliebt und gewürdigt werden,‭ ‬sondern nur,‭ ‬wenn wir im Sinne des bestehenden Gesellschaftssystems funktionieren‭ ‬-‭ ‬Eltern erziehen und konditionieren ihre Kinder‭ ‬(un‭)‬bewusst in diesem Sinne.‭

‬Viele der so bereits als Kinder seelisch verletzten Erwachsenen flüchten sich auf dieser‭ „‬gestörten‭“ ‬Basis unreflektiert und unbewusst in überzogene Arbeit bzw.‭ ‬Beschäftigungen,‭ ‬sowie ins Materielle,‭ ‬statt an sich selbst‭ ‬und den sie belastenden Verhältnissen‭ ‬zu arbeiten.‭ ‬Durch dieses massenhafte Fluchtverhalten entsteht gesellschaftsweit‭ ‬destruktiv‭ ‬kranker Arbeitsethos,‭ ‬auf dessen Grundlage die psychische Störung der‭ „‬Flucht in überzogene Arbeit‭“ ‬nicht nur als völlig normal,‭ ‬sondern als‭ „‬alternativlos‭“ ‬angesehen wird.‭ ‬Eine psychische Störung wird dadurch zur Normalität erhoben,‭ ‬was wir als einen von zahlreichen Fällen der‭ „‬Institutionalisierung von psychischen Störungen‭“ ‬ansehen‭ ‬-‭ ‬und solange wie hier nicht auf gesellschaftlicher Ebene entsprechend aufgeklärt und gegentherapiert wird,‭ ‬werden wir nicht aus dem damit verbundenen Teufelskreis und seinen selbstzerstörerischen Folgen herauskommen.‭

‬Die‭ „‬Flucht in Arbeit‭“ ‬ist übrigens die einzige Suchtform,‭ ‬die gesellschaftsweit gefördert wird‭ ‬-‭ ‬und wer versucht dieser Sucht zu entfliehen,‭ ‬wird nicht nur als arbeitsfaul stigmatisiert und kriminalisiert,‭ ‬sondern auf Basis der immer noch vorherschenden‭ „‬schwarzen Pädagogik‭“ ‬auch sanktioniert.‭

‬Um diesem psychisch gestörten Unwesen durch Aufklärung und Bewusstmachung entgegen zu wirken,‭ ‬initiieren wir übrigens zum‭ ‬1.‭ ‬Mai‭ ‬2023‭ ‬das‭ „‬1.‭ ‬Therapie-Festival für Andersdenkende‭“ ‬und dies unter dem Moto:‭ „‬Flucht in Arbeit ist auch keine Lösung‭“‬.